Auf dem Weg zu Karl dem Großen!

Also eins vornweg, wir begeben uns diesmal nicht auf eine geschichtliche Reise in die Vergangenheit zum einstigen Herrscher der Franken. ( Karl der Große 768 -814 ) Vielmehr ist es eine Reise zu einem neuen Mitbewohner unseres Tiergartens.


Tesla Supercharger
Frische Energie für Mensch, Tier und Maschine!

Es ist 2,30 Uhr an diesem Sonntag Morgen als der Wecker klingelt. Schnell etwas frisch gemacht und in das schon am Vorabend vorbereitete Auto mit Anhänger steigen. Mit von der Partie sind meine liebe Frau, meine jüngste Tochter, ihre Freundin und natürlich unser kleiner treuer Hund Grumpy. Ein unglaublich toller Freund für meine Tochter und die ganze Familie.



3,00 Uhr Abfahrt: Eine friedvolle Stille liegt über dem Land. Kein Vogel zwitschert, kein Hahn kräht, und auch von der Ferne sind keinerlei Geräusche zu hören. Einfach nur Stille. Wunderbar!


Dies ist einer der Gründe, warum wir hier so gern leben. Doch nun müssen wir diesen wundervollen Ort erst einmal verlassen. Verlassen, um genau diesen Ort mit einem neuen tierischen Bewohner zu bereichern. Passend zur Stille verlassen wir fast geräuschlos unseren Hof. Begleitet von einem wunderschönen Vollmond der die Landschaft in ein schon fast mystisches Licht taucht.


Nur wenige Minuten nachdem wir losgefahren sind, träumen meine Mitreisenden wieder friedlich.


Ich nehme Kurs auf die Autobahn. Der Ort wo ich so viel Zeit meines Lebens verbracht habe, und auch heute noch gern bin. Doch auch dieser Ort ist diesmal unglaublich still. Als wäre die Verkehrsader in einem Dornröschenschlaf versunken. Kein Auto zu sehen weit und breit. Und da es Sonntag ist, natürlich auch keine LKW. Diese wichtigen Lastenträger, welche unser Land am Leben halten, haben wie jeden Sonntag in Deutschland bis abends 22 Uhr Ruhepause. Also auch von dieser Seite absolute Ruhe. Ich fahre weiter, noch immer begleitet uns der Vollmond, während unser Gespann Kilometer für Kilometer über das graue Asphaltband rollt.


Diese Fahrt ist auch für mich eine Premiere. Das erste Mal versuchen wir eine relativ weite Strecke ( ca. 1200 Kilometer ) zu fahren um ein Tier zu holen. Das Ganze mit einem Elektroauto plus Anhänger! Und ich habe dafür nur ca. 16 Stunden eingeplant!


Wird der Akku halten was der Hersteller verspricht? Wird die Reichweite trotz Anhänger ausreichen um den nächsten Schnelllader zu erreichen? Fragen über Fragen.


Doch zunächst genieße ich weiterhin die Stille. Einzelne kleine Nebelschwaden ziehen über die Felder und sind stumme Begleiter des Mondes, der so langsam sich dem Horizont entgegen schiebt.


Nach fast 3 Stunden Fahrt erreichen wir auf unserem Weg gen Westen die Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen.


Dies bedeutet auch das erste Mal Strom zapfen auf dieser Tour. Obwohl der Akku noch fast zu 50% geladen ist, steuere ich den vom Bordrechner vorgeschlagenen Supercharger an. Noch schnell das Fahrzeug mit dem Lader verbunden, und dann ist auch für mich ein wenig Zeit zum ausruhen.


Nach 30 Minuten zeigt die Ladeanzeige Akku voll an und gibt somit den Startschuss für Etappe 2.


Diese führt uns durch Thüringen, ein kleines Stück Niedersachsen, und letztendlich nach Hessen. Dort, unweit von Kassel soll unser nächster Ladepunkt sein.


So langsam wird die Nacht vom Tag besiegt und gibt den Blick frei auf eine wunderschöne Landschaft, die praktisch aus den dunklen Nichts rund um uns auftaucht. Die Natur ist ohne Zweifel der großartigste Designer. Immer mehr Facetten der Natur werden sichtbar und schmeicheln dem Auge im Licht der Morgensonne.


Es kommt auch heute noch ein komisches Gefühl in mir hoch wenn ich die ehemalige Deutsch-Deutsche Grenze überquere. Eine Grenze, die vielen Menschen so viel Leid oder gar den Tod gebracht hat.


Dennoch konnte sich in diesem Streifen die Natur ungestört ausbreiten, wovon sie heute noch zehrt. Tiefgrüne Wälder säumen unseren Weg, verdecken die Narben, welche der Mensch der Erde zugefügt hat.


Nach weiteren 2 1/2 Stunden Fahrt erreichen wir unseren 2. Ladepunkt. Die Sonne steht noch flach über dem Horizont, und meine Familie erwacht. Wir alle nutzen die Zeit des Ladens um uns die Beine zu vertreten. Unser kleiner Grumpy freut sich, in der Morgensonne ein wenig auf einer Wiese herumtollen zu können. Nach weiteren 40 Minuten geht es weiter in Richtung Westen. Stopp Nummer 3 soll sich in NRW, genauer gesagt in Bochum befinden.


Also alle wieder ins Auto und los geht es. Vorbei an Kassel, der Eder-Talsperre und und weiteren bewaldeten Hügeln. Der Blick schweift weit in die Landschaft, welche immer mehr von Industrie, statt von Natur geprägt wird. Nach einiger Zeit überqueren wir die Landesgrenze zu NRW. Hier wird das Ausmaß des Eingreifens vom Menschen in die Natur so deutlich wie kaum an einem anderen Ort in Deutschland. Verbaute Landschaften, Industrie so weit das Auge reicht, kaputte, weil meist überfüllte Straßen, schlechte Luft. Einfach nur schrecklich dieser Landstrich. Für einen kurzen Moment denke ich an unser zu Hause, unseren kleinen Tiergarten, die Ruhe, die Natur. Im nächsten Moment frage ich mich, wie können Menschen hier nur leben? Ein schrecklicher Gedanke.


Doch ich muss weiter fahren, fahren um diesen Landstrich hinter sich zu lassen, und bald wieder zu Hause zu sein.


Wir haben es nun gegen 10 Uhr und der Verkehr rund um Dortmund ist wie immer schrecklich. Auch am Sonntag. Ewa eine knappe Stunde später erreichen wir Ladepunkt 3. Bochum.

Grumpy am Supercharger
Unser lieber Grumpy hat natürlich alles im Blick! Auch hier am Supercharger in Bochum.

Die Stadt von Herbert Grönemayer, von Opel und anderer Industrie. Hier am Ruhr-Center Einkaufspark befindet sich besagter Lader. Meine liebe Familie erkundet ein wenig die Gegend, lüftet Hündchen Grumpy und ich passe in dieser Zeit aufs Auto auf. Denn diese Ladesäulen sind, wie die meisten, nicht für Gespanne geeignet. Und da die Ladestation leer ist, beschließe ich meiner Faulheit Vorrang zu lassen, und parke mit Anhänger quer. Natürlich jeder Zeit bereit, die anderen durch den Anhänger blockierten Ladesäulen freizuräumen. Doch ich habe Glück. Kein anderes Elektroauto taucht zu dieser Zeit an diesem Platz auf und verlangt nach Strom. Weitere 40 Minuten sind vergangen, und wir steuern unser Ziel an. Von hier aus sind es nur noch knappe 50 Kilometer. Die Spannung steigt? Wie wird er wohl sein, der Karl? Wird alles klappen mit dem Verladen? Ist er gesund? Wie werden die Besitzer des Tieres sein? Alles Fragen die mir durch den Kopf gehen, während ich das Gespann durch immer dichteren Verkehr steuere. Einfach nur schrecklich diese Gegend. Doch kaum habe ich mich versehen, haben wir das Ziel erreicht. Und noch weniger zu glauben, es ist eine kleine grüne Oase, wo die Tiere und deren Besitzer ihr zu Hause gefunden haben. Grün in mitten diesen Industrie- Molloch.


Wenige Augenblicke später noch eine Überraschung. Ein unglaublich netter Herr begrüßt uns. Die Tiere stehen ruhig auf einer großen Wiese neben an. Alles super sauber und stilvoll eingerichtet. Es ist ein Spargelbetrieb, und obwohl gerade Hochsaison ist, hat sich der Nette Herr Zeit genommen, um uns Karl zu übergeben. Einfach Klasse! Nochmals Danke an dieser Stelle!


Nach einem kurzen Gespräch fahre ich unser Gespann auf die Wiese und in Windeseile ist unser neuer Mitbewohner verladen. Alles klappt perfekt! Wir bekommen noch ein tolles Lunch - Packet mit frischem Spargel, Kartoffeln und den leckersten Erdbeeren, die wir seit Jahren gegessen haben! Nochmals Vielen Dank dafür.


Schon geht es wieder los. Auf nach Hause. Auf zum Tiergarten Tautendorf!


Es ist 13 Uhr, die Sonnen strahlt als würde sie es bezahlt bekommen. Die Temperaturen steigen auf 27 Grad. Ich mache mir Gedanken ob es im Anhänger nicht zu warm wird? Doch wir machen nochmal in Bochum einen Zwischenstopp und sind somit schnell wieder auf einem Parkplatz um alles zu kontrollieren. Meine liebe Frau besorgt für uns Leckereien aus den Restaurant zu goldenen Möwe. Na Sie wissen schon. Diese Fastfood Tempel, welche sich oft in der Nähe von Autobahnen finden lassen.


Ich schaue nach Karl und bin erstaunt wie kühl es in unserem Anhänger bleibt! Noch einen Schluck zu trinken für die Tiere und weiter Richtung Osten. Richtung Heimat. Es geht wieder über die relativ schlechten Straßen in NRW. In der Ferne sin viele Kraftwerke zu sehen. Mit ihren Rauch oder Dampfsäulen scheint es fast, als würden sie uns zuzuwinken. Nein hier möchte ich niemals leben! Während ich meine Gedanken etwas schweifen lasse und mich schon auf zu Hause freue, schläft neben mir auf dem Beifahrersitz die tollste Frau der Welt! Erst durch sie ist es möglich geworden, unsere kleine Oase zu schaffen! Danke mein Engel. Du bist großartig!!! Auch in der hinteren Reihe ist wieder Ruhe eingekehrt. Die beiden jungen Damen auf der Rückbank sind ebenfalls gut gesättigt eingeschlafen. Und klein Grumpy natürlich auch. Es ist schon erstaunlich, wie viel Platz so ein kleiner Wau Wau einnehmen kann! Wir rollen flüsterleise weiter in Richtung Sachsen. Wieder vorbei an der Eder-Talsperre und Kassel, wo mittlerweile eine Menge Reisende sich zu einer beträchtlichen Blechlawine zusammen gestaut haben! Wo kommen nur auf einmal so viele Autos her? Und einer lauter als der andere! Schrecklich, denke ich mir, und konzentriere mich wieder auf den Verkehr. Etwa 20 Minuten, nachdem wir Kassel verlassen haben, erreichen wir unseren 2. Ladepunkt auf der Rückfahrt. Es ist wieder der gleiche Rastplatz wie am Morgen. Mittlerweile haben sich hier viele Elektroautos eingefunden und möchten Strom zapfen. So ein Mist. Jetzt muss ich doch den Anhänger abkoppeln, sonst wird das nix mit laden! Also parken wir den Anhänger mit Karl dem Großen neben unseren Auto und stöpseln unseren Flitzer abermals an einer Ladesäule an. In der Zeit wo die Blaue Elise an der Steckdose knabbert, werden wir von meiner lieben Frau mit kühlem Eis versorg und können unbeschwert die Sonne genießen. Leichte Schäfchenwolken ziehen über uns hinweg, ein laues Lüftchen weht uns um die Nase und es ist relativ still. Eigentlich ist es schön hier. Doch es ist nicht zu Hause. Was werden die Lieben daheim gerade machen? Geht es allen Tieren gut? Schon komisch. Wir sin erst ein paar Stunden unterwegs, doch schon fehlt mir unsere kleine Oase. Unser kleines Paradies. Während ich so über unseren Tiergarten nachdenke, wie alles begann, macht es bing, und das Auto meldet sich mit einem vollen Akku! Auch schön. Anhänger wieder dran und ab in Richtung Osten. Vorbei an der ehemaligen Grenze zurück in Richtung Heimat. Ich war schon in vielen Ländern der Welt. Doch nirgendwo überkam mich dieses Gefühl der Heimat. Mal abgesehen von Nordschweden. Ich beginne wieder in die schöne Landschaft zu schauen. Thüringen hat schon auch seinen Reiz. Nun ist es nicht mehr weit. Vorbei an Mühlhausen und Nordhausen erreichen wir einige Zeit unserer letzten Ladepunkt für den heutigen Tag. Sangerhausen. Der Lader bringt unseren Fahrzeugakku in den späten Nachmittagstunden mächtig auf trapp. Knappe 180 kW verkürzen die Standzeit ordentlich. So können wir nach 25 Minuten die Ladestation wieder verlassen. So langsam werden alle wieder wach, und freuen sich nach der Langen Fahrt auf zu Hause. Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl nach einer langen Reise das Schild "Willkommen in Sachsen" zu passieren. In unserem Fall kurz vor Leipzig auf der A38. An den neuen Seen vorbei Richtung Dresden. Auf der A14 wird das Gelände schon bald hügeliger und kurze Zeit später kann ich den ersten Blick von unserem zu Hause erhaschen. In weiter Ferne dehe ich das riesige Windrad, welches uns als Wegweiser dient. Auch wenn wir noch fast 20 km fahren müssen, ist das Ziel doch schon zum greifen nah. Die Abfahrt 33 auf der A14 beendet die heutige lange Tour auf der Autobahn. Nur noch etwas mehr als 10 Kilometer auf der Landstraße, und wir können unsere Lieben daheim gebliebenen in die Arme schließen, und unser neues Mitglied vom Tiergarten Tautendorf auf dem Hof vorstellen. Die letzen Kilometer vergehen wie im Flug. In Gedanken überlege ich mir den Ablauf des ausladens von Karl. Ich habe noch nicht ganz zu Ende gedacht, da erreichen wir 19,38 Uhr den heimischen Hof. Unsere daheim gebliebenen Kinder eilen herbei, um einen Blick auf den neuen Mitbewohner zu werfen. Vorsichtig parke ich unser Gespann rückwärts auf dem Hof ein und die Tore zum Tiergarten werden geschlossen. Bevor ich aussteige, noch ein kurzer Blick auf die Anzeigen des Autos. Und was ich das sehe ist schon echt beeindruckend. Wir waren exakt 16,38 Stunden unterwegs. Die Gesamtstrecke betrug 1189 km laut Tacho, und der Durchschnittsverbrauch lag bei 228 Wh/km. Die Durschnitts Geschwindleit wurde mit 81,6 km/h angezeigt. Umgerechnet bedeutet dies, in Benzin gerechnet, wäre unser Verbrauch bei 2,68l/100km. Genial oder? Doch nun zurück zu Karl dem Großen. Wir öffnen gemeinsam den Anhänger, und unsere Familie kann den Neuling zum ersten Mal sehen. Argwöhnisch schaut Karl in die neue Umgebung, die nun sein neues zu Hause sein soll. Wir führen in vorbei an Hasen, Schweinchen, Pferdchen und unseren Hüpflingen zu seinbem neuen Gehege. Neugierig beäugt er seine neuen Mitbewohner, die ihn natürlich ebenfalls erst einmal komisch anschauen.

1 Ansicht0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen